Transformative Mediation

 

Mit seiner Geburt ist ein Mensch angewiesen auf Versorgung, Fürsorge, Liebe, Zuführung von Nahrung und Beziehung. Vom Zeitpunkt der Empfängnis an nimmt das Ungeborene alles auf, Wohlbefinden oder Stress seiner Mutter, damit auch den gesamten Kontext ihrer Lebenssituation. Dabei nimmt die Kommunikation (Communicatio lat. „die Mitteilung“) eine zentrale Rolle im Umgang mit unserer Umwelt ein. Über Kommunikation stehen wir in Verbindung miteinander, wir erfahren und werden erfahren, wir lernen und lehren, wir erzählen und hören Geschichten, wir bestätigen und werden bestätigt, wir verstehen und missverstehen, wir loben und wir missachten.

Während der Geschichte der Menschheit hat die Ansammlung von Wissen, der Austausch von Information und Weitergabe an die Nachwelt unseren Planeten zu dem gemacht, was er heute ist, mit allen seinen Möglichkeiten und Gefährdungen. Dabei wird es in Zukunft um eine respektvolle Kommunikation und Achtsamkeit gegenüber allen Lebewesen und den Ressourcen unseres Planeten gehen. Wenn Interessen, Ziele, Werte von Menschen, Organisationen, Völkern gegensätzlich oder unvereinbar erscheinen, befinden wir uns in einem Konflikt unterlegt von schwierigen Gefühlen wie Wut, Enttäuschung, Angst, Druck, Verzweiflung. Diese Ansammlung von negativen Emotionen verwirrt uns, wir sind gestresst, durcheinander, wütend oder auch aggressiv. Die Kommunikation wird destruktiv, verletzend.

Wir wünschen uns Frieden. Beim Frieden geht es um das Austragen von Konflikten ohne Gewalt. Eine Voraussetzung für den Frieden ist, dass jeder seinen Lebensraum hat. Es gilt Sorge zu tragen demjenigen beizustehen, dem es nicht gegeben ist über ein angemessenes Dasein zu verfügen. Im Umgang miteinander fühlen wir uns wohl, wenn unsere Bedürfnisse wie z.B. nach Sicherheit, Wertschätzung, Autonomie und Beziehung erfüllt werden. Dann haben gute Gefühle, wir sind entspannt, zufrieden, glücklich, heiter. Wenn sie nicht erfüllt sind, haben wir keine guten Gefühle. Wir sind traurig, gereizt, angespannt, erschöpft. Das Resümee aus dieser Betrachtung ist einfach und wiederum sehr kompliziert und komplex. Kommunikation ist der Schlüssel zu unseren Gefühlen. Die gelungene Kommunikation ist ein Katalysator für unser Wohlbefinden mit Auswirkung auf unsere Sozialisation. Hier setzt die Chance der Mediation an.

„Mediation ist ein Element der Evolution und zentraler Baustein künftiger Friedenssicherung.“
HANS-PETER DÜRR

Bei der Mediation (lat. Vermittlung) geht es um die außergerichtliche Lösung eines Konfliktes unter der Vermittlung eines außenstehenden allparteilichen Dritten, des Mediators. Dabei bietet die Transformative Mediation eine Fahrkarte für eine Erkenntnisreise und Selbsterfahrung, die Weiterentwicklung kommunikativer Fähigkeiten, des Selbstbewusstseins, der Selbstreflexion, Empathie und Authentizität.

Die Transformative Mediation schließt Empowerment und Recognition ein. Empowerment bedeutet, dass die Teilnehmer im Verlauf der Mediation zu mehr Selbstkompetenz, Selbstverständnis, Selbstvertrauen kommen und darauf basierend zur Recognition gelangen. Das heißt, es wird möglich, den eigenen Anteil am Konflikt zu erkennen, sich mit dem Anliegen des anderen auseinanderzusetzen, ihm zuzuhören und seine Motivation, seine Situation und seine Vorstellungen gelten zu lassen und bei der Klärung des Konflikts und zur Lösungsfindung mit einzubeziehen.

„Unser einfühlendes Wesen entfaltet sich wieder, wenn die Gewalt in unserem Herzen nachlässt.“
MAHATMA GANDHI

In meinem beruflichen Leben habe ich während meiner Tätigkeit in Kliniken, bei Behörden und aktuell in meiner Praxis weitreichende Erfahrungen im Umgang mit Schicksalen, Belastungen, Erkrankungen machen können. Ich habe Einblick in viele Lebensgeschichten nehmen dürfen und Menschen, Familien und Kinder eine Zeitlang begleitet. Diese Geschichten in meinem Leben tragen für mich selbst auch zum Empowerment und Recognition bei.

Mein besonderes Anliegen ist hier darüber hinaus über die Mediation in Familien in belasteten Situationen wie anstehender Trennung, Schwierigkeiten in der Umgangsregelung oder bei Patchwork Familien, bei Erbauseinandersetzungen eine gelingende Kommunikation herzustellen und im Sinne einer Win-Win Situation einen Umgang miteinander zu ermöglichen, mit ausreichender Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten. Gerade in Krisen, bei Schicksalsschlägen und Belastungen in unserem Leben trägt eine gelungene wertschätzende Kommunikation wesentlich dazu bei in die Stabilität zu kommen. Eine gelingende Kommunikation kann verhindern, dass ein Kind jahrelang im Kaukasischen Kreidekreis verbleibt. Eine erfolgreiche Mediation bietet die Perspektive für eine Konfliktregelung, bzw. Konfliktlösung, die auch in der Zukunft tragfähig bleibt und zur Entspannung führt. Und damit haben wir eine wesentliche Voraussetzung für die Salutogenese von uns, unseren Familien und insbesondere von unseren Kindern und damit der Zukunft.

„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“
J. W.VON GOETHE